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H5 Die Arbeit mit der Linie, ist die Arbeit an der eigenen Freiheit, sie zu so führen und so zu lassen, bis sie zu hören ist, aus dem, was sie zeichnet und aus dem, was sie nicht zeichnet. Die Minute in einer Linie zu fassen, ist die Herausforderung, der Linie diese Freiheit zu geben, sie ohne Vorstellung als etwas zu begleiten, was Anfang und Ziel in ein Zeichen aus Bewegung und Raum und Körper notiert. Was sie hinterlässt, ist die Zeichnung einer bestimmten Zeiteinheit, die dem Grundprinzip der Natur entspricht: aus etwas entsteht etwas.

 

 

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N5 Raumquadrat. Der Raum einer Minute. In seiner Dimension bleibt er unerreichbar, als Einheit ist er zählbar, aber nicht haltbar, das Datum bleibt an derselben Stelle, wie diese des Zeigers, der sie berührt, sie aus seinem Schatten entlässt, in eine neue, in eine andere, in eine weitere. Zusammengefasst bleibt die Minute Teilchen einer Stunde und eines ganzen Tages und ein kleinwenig Teil einer Sehnsucht nach der Zeit.

 

 

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F5 Im Schattenwurf einer Farbe erscheint deren Form als Fläche. Flieht die Minute nun aus dem Raum der Zeit in ihre eigene Räumlichkeit, so kann es geschehen, dass Zeit und Licht als eine numerische Folge aus Ziffern und Silben zu sehen sind und ich sie dort als eine unendliche Minute malen kann.

 

 

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H4 Das Unbegreifliche einer Minute ist ihre Flüchtigkeit und ihre Konsequenz, als sei sie die Linie Horizont auf der Augenhöhe durch die Zeit.

 

 

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F4 Koloratur Wie kann ich das Meer beschreiben, ohne das Bild von Wellen? Das Wort Meer wäre unfassbar. Wie lange ich auch hinschaue und versuche, es in einer mathematischen Auflösung von Formeln zu registrieren, ist es mir bis anhin doch nur in einer linearen, fugenartig aufgefächerten Farbigkeit möglich gewesen, zu erfahren, dass Wellen kommen und kommen und kommen.

 

 

spaceF3 In einer meiner Aufzeichnungen über die Leere eines Raumes, konnte ich lesen, dass es sehr schwer ist, den Inhalt eines leeren Raums zu beschreiben, ohne ihn nicht mit etwas zu füllen, was nicht in ihm zu finden ist, sondern nur in meiner Vorstellung, von dem, was in der Leere eines leeren Raumes zu finden wäre, würde ich so wahrnehmen, dass ich das, was ich nicht sehe, in Worte bringen könnte. Ich nahm nun der Einfachheit halber einen Bleistift, um die Leere einzufassen, mit einer Kontur, der sie zu dem macht, was sie ist. Während ich nun die Linie über die weisse Platte ziehe und als einen, sich fortbewegenden Körper beobachte, entsteht durch eine viermalige Richtungsänderung ein neuer Körper; Leere, Raum, Zeit, Linie, Kontur und Körper sind weder voneinander zu lösen, noch nur durch das eine zu beschreiben. Dem zu Folge wäre jetzt das Licht und die Farbe der nächste Schritt, um die Arbeit über die Leere eines Raumes fortzusetzen. Lasse ich nur den Anfang eines solchen Raumgebildes auf der Platte entstehen, liegt in seiner Ecke, die Möglichkeit des Lichteinfalls, der durch den Schatten der Linie eine Ahnung von Farbe in das Auge fallen lässt, was aber auch nur eine Ahnung bleibt, weil das Licht wandert und über den Rand hinaus in die Fläche flieht. Wie ist nun aber eine Minute zu konturieren? Welche Form und welche Ahnung von Inhalt und Leere, machen eine Minute zu einem Körper, der den Raum beschreibt, in dem die Bewegung einer Linie Zeit umfasst?

 

 

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N5 Ich verliess die eine Minute, um in der anderen anzukommen und fand nur einen leeren Raum, etwas das mich umgibt und das diese Ungebung als Raum umzeichnet, es waren Zeiger, so dachte ich, und während ich dachte, rückten sie vor mir zur Seite. Eigentlich müsste ich sie zählen, doch ich liess es bleiben und regte mich nicht von der Stelle. Standpunkte seien dies, doch in einem leeren Raum existierten diese nicht, da sie eine Funktion haben müssten, einen Zusammenhang mit etwas Bestimmtem. Bestimmungen haben mit Stimme zu tun und wenn ich schweige, bleibt nur dieser eine Ton im Raum. Er scheint über dem Fussboden zu schweben. Ich fasste ihn nicht, ich liess ihn verklingen, ausklingen, er war noch stundenlang in meinem Ohr, Töne hören nie auf, sie scheinen ein eigenes Ohr zu haben. Raum mit Ohr steht für heute in meinem Drehbuch notiert.

 

 

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M4 Ein anderes Mal dachte ich über die Minute, eine Minute lang nach, während ich über das Wasser schaute, aber nicht hinein. Eine Minute scheint wie eine kleine Wellen zu sein, über der etwas erscheint, was ich dort, wo sie aufhört, Luftspiegelung nenne. Immer ist dort, wo etwas aufhört, der Anfang von etwas anderem, dachte ich weiter und mein nächster Gedanke war, dass ich vergessen könnte, dass eine Minute noch gar nicht angefangen haben würde, wenn ich nur über sie und nicht in sie hinein denke. Es ist sehr kompliziert mit den Worten und den Minuten, besonders zu verstehen, wie sie entstehen! Ich habe an einer anderen Stelle in meinem Drehbuch notiert: Film mit dem Titel: In einer Minute ist undenkbar, immer bleibt er an der Oberfläche!

 

 

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Ich lies etwas zurück, das noch während des Aufwachens in meiner Erinnerung war und während die Katze mich mit grossen Augen ansah, bevor sie sich auf das Bett legte, das ich verlassen hatte, um das zu suchen, was ich in der Nacht nicht träumte, hatte ich es vergessen.

 

 

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A1 Die Sammlung der Minuten in Zeit. Diese kleine Filmreihe aus Minutenzeichnungen entsteht so, wie ich sie zeichne: „Ab Blatt“ . So nenne ich dieses konzentrierte Arbeiten in der kurzen Zeit, die mir an Tagen, in denen ich im Museum und im Restaurant nach dem Ursprung der Zeit und nach der Erhaltung der finanziellen Existenz forsche, bleibt. Es sind Zeichnungen die ich in der Zimmerstunde, also in den Arbeitspausen entwickle, wenn ich unterwegs bin, von einem Ort zum andern, es sind Aufzeichnungen über Tage, über Gespräche, Beobachtungen, Erinnerungen, Begegnungen, über die Bedeutung einzelner Worte, Gedankensprünge, sie entstehen auch am Morgen, sie bereiten die grossen Bilder vor, es sind Fragen, denen ich nachgehe, Fragen über das Leben, über das, was wächst, über das was gerade ist, über das, was ich nicht sagen kann, über das was ich entdecke, über das, was ich finde, wenn ich nicht suche, nicht denke oder überlege, es sind unmittelbare Bildnotizen von Minuten, in denen ich mich frei bewege, ohne Vorstellung, ohne Zeit, ja es sind Blätter, die entstehen, wenn ich eigentlich keine Zeit hätte und mit ihr zu spielen anfange, sie immer wieder neu erfinde, in der Stunde, die mit bleibt und die doch vergeht, irgendeinmal, irgendwann. Was zurückbleibt ist ein Zeichen, eine Spur, eine Spanne Glück. Ich eröffne dafür ein Archiv, ein Archiv für glückliche, unendliche Minuten.

 

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