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M3 Das Einzelne: Die Bahnhofhallen in Nächten zu durchqueren ist, wie auf einem Seil zu gehen, ein Abenteuer, um an einem Ziel anzukommen und nicht in fremde Augen zu fallen, die in der Weite der Leere auf ein Lächeln lauern.

 

 

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T5 Zoologisches: In einem Wort wie diesem, spazierte ich vor Tagen mit einem lieben Freund lange Zeit durch einen Nachtdschungel. Wir sahen Augen von Tieren leuchten und Schatten von Flugwesen, die über unseren Köpfen auftauchen und verschwinden, wir lachten über kleine und grosse pelzige Knäuel mit langen buschigen Greifschwänzen, die an Bäumen hängen oder über Äste balancieren. Dann sahen wir noch leichte schwebende Transparentschirmchen und im Licht der Aquariumlampe glänzende Scheibenkörper mit grossen Mäulern, schlanke, durch das Wasser gleitende, schwarzgelb geringelte Stäbchen, aufgewickelte kleine Blättchen und einen Schwarm grosser Blätter mit gelborangfarbenen Flecken, die vor uns hin und her zogen. Ich fragte meinen Begleiter, was mit der Welt geschehen würde, wenn nichts auf der Erde einen Namen hätte. Vielleicht käme alles durcheinander, sagte er und ich dachte darüber nach, wie es wäre, wenn ich keinen Namen hätte und niemand wüsste, wie er mich rufen kann.

 

 

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T4 Die Parkvögel: Die Taube, vielleicht auch sie gedankenlos über den Kiesplatz trippelnd, wie ich, verschlafen auf der Mauer liegend, die Minuten schreibe; was würden wir anderes tun, als Augenblicke überbrücken, in denen wir nichts finden?

 

 

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K2 Der Regen bleibt aus: Kleine Falterkäfer sind im Regen nicht zu sehen. Sie fliegen hinter den Tropfen, damit diese sie nicht überschwemmen oder erschlagen. Ich frage einen der farblosen kleinen Flügler, wie sich Regen im Fliegen anfühlt. Er antwortet nicht. Ich höre nur ein fernes Rauschen, das näher kommt. Das Rauschen sind aber die Flügelschläge der Falter und nicht diese des Regens. Ich soll schwierig erklärbare Dinge nicht zusammenbringen, denke ich und lösche das Licht der Schreibtischlampe. Jetzt höre ich das Zirben der Grillen in der Sommernacht. Grillen und Sommernacht, diese zwei Wörter sind einfacher in einem Film gleichzeitig zu zeigen, überlege ich weiter und notiere in mein Heft: Film mit Regenfalter: unmöglich.

 

 

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F2 Wenn ich eine Farbe und einen Ton miteinander in Verbindung bringe, so versuche ich etwas miteinander zu vergleichen, das im Eigentlichen das Gleiche ist.

 

 

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Heute bekam ich mit der Luftpost das Wort air zugeschickt. Es landete auf meinem Schreibtisch, gerade als ich aufwachte. Ich fragte mich, wie so ein kleines Wort einen so grossen Raum beschreiben kann, einen noch grösseren wie dieser meines Tisches, grösser noch wie dieser aller Ozeane zusammen. Beschreiben alle Worte mit nur wenig Buchstaben etwas Grosses? Zum Beispiel; Zeit, Du, Herz oder das Wort und ? Den ganzen Tag sass ich an meinem Schreibtisch und schaute auf die drei Buchstaben des Wortes, das die Welt zusammenrechnet, in jeder Sekunde und in jedem Augenblick.

 

 

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Ich fragte mich heute, wie ich all diese Wolken auf eine einzige Leinwand malen könnte. Es müsste eine grosse Leinwand sein, eine Leinwand von vielen Quadratkilometern, dann wäre noch der See zu malen und alle diese Blätter, die sich in ihm spiegeln, von den Bäumen am Ufer, die Flugzeuge würde ich weglassen, weil ich keine Silberfarbe habe, aber das Glänzende der Wolkenwasserspiegelung, dieses Lichtspiel würde ich in allen Farben malen, auf der Fotografie sind sie nicht zu sehen, sie sind nur im Auge zu sehen, da, wo das Bild entsteht, vor mir in meinen Augen und ich fragte mich, wie viel Wasser ich dazu brauchen würde, das Wasser in den Augen zu malen, das in manchen Tagen Wolken bildet.

 

 

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P2 In manchen Augenblicken oder während eines einzigen kleinen Moments der Unaufmerksamkeit, kann es geschehen, dass eine Linie aus dem Gefüge des Netzes, das, in Gedanken gewoben, unser Sichtfeld in Grenzen hält, sich zu lösen beginnt, dem zu folgen es ein Leichtes wäre, wenn ich mir gewohnt wäre, das Einfache nicht zu verkomplizieren. Später, nahm ich eine einzige Linie zur Hand und ich dachte daran, dass sie ein Seil sei, auf dem ich eine Minute nach der anderen überquere und die Welt aus der Höhe eines fliegenden Vogels mir anschaue und sehe, wie die Choreographie der Dinge ohne mein Dazutun, unter mir sich finden und ich mich einfügen könnte, wenn ich mich fallen liesse, was ich dann auch tat, als ich mir sicher war, dass es sich um ein Spiel handelt, in dem aus einer Linie ein Bild entsteht und eine Minute, die ich nicht zu kontrollieren brauche, weil sie frei zwischen der Zeit schwebt.

 

 

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N4 Der Mann im Radio sagte zu mir, dass in einer Minute die Nacht einen anderen Namen haben wird, dass es in derselben Nacht, während der Dunkelheit, in der ich sitze und den Lichtern am Strassenrand nachfahre, so sein wird, dass ich von einer Nacht in eine andere fahre. Der Mann wird bald erzählen, was gestern, das eben noch ein Heute war, auf der Welt geschah. Die Strassenbeleuchtung warf die Schatten der Bäume vor und hinter mich und von einer Minute zur anderen in eine andere Geschichte. Wenn ich diese Minute verlassen habe und die nächste angefangen sein wird, trägt alles was ich dann tue und was auf der Welt geschieht wieder ein anderes Datum und wird somit eine andere Geschichte in der Vergangenheit der nächsten Zeit.

 

 

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N2 An Tagen in denen der Regen über die Treppenstufen auf die Strasse rinnt oder einfach durch die Luft tropft, also fällt, durch einen Raum, den ich Luftraum nenne und der mich auch dann umgibt, wenn ich ihn scheinbar verlasse und die Wendeltreppe hinaufsteige, in eine kleine Kammer, wäre ich in ihr ausserhalb dieses Wortes und doch befände ich mich immer noch in diesem, das ich atme und das jemand anderer atmet, in dieser einen Minute, während er viele hundert Minuten von mir entfernt, vielleicht auf einer Treppenstufe sitzend, in den Himmel schaut und darüber nachdenkt, dass bald Regen fallen wird.

 

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