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T3 Es war nichts. In einer Minute geschah nicht andres, wie das Vorbeiziehen einer Minute. Nicht in ihr, sondern um sie herum geschahen die eigentlichen Dinge, die als eine Erinnerung in das Gedankengefüge eingesetzt, die Zeit beschreiben.

 

 

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K2 Vielleicht in diesem Garten, der an jenen Garten grenzt, dort, wo der Zaun sie trennt, würden die Pflanzen des anderen Gartens in diesen wachsen, in dem ich stehe, gäbe es den Zaun nicht. Ohne Zäune würden die Schmetterlinge nicht wissen, dass sie meinen Garten und dann Deinen Garten überfliegen.

 

 

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H2 Ankommen, schrieb ich am Tag vor der Abreise in den Sand. Ankommen, nur dieses Wort. Das Wasser kommt immer an, sagte ich später zu jemandem, den ich nicht kannte und der mir zugesehen hatte, wie ich am Abend zuvor dieses Wort schrieb und wie ich weggelaufen war, bevor es die Wellen verwischten. Zeit, sagte ich zu ihm, Zeit kommt nie an, sie wird immer nur unterwegs sein, von einem Horizont zum andern. Wie lange ich auch hier Worte in den Sand schreiben würde, immer würde ich am nächsten Morgen wieder mit dem ersten Wort anfangen und am Abend wäre es immer noch das erste Wort, mit dem ich aufhören werde. Wie würden Sie Horizonte anders beschreiben? fragte ich den Fremden.

 

 

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T2. Das Kreisen in einer Minute um einen Gedanken ist kurz und der Anfang wie das Ende um sich selber drehend, an dieser Stelle hinter der Stirne, da, wo ein kleiner Punkt wie ein Radar die Welt liest, in Buchstaben und kleinen Zeichen. Manchmal geschieht es, dass eines dieser Zeichen aus seiner Drehung in die Gerade fällt und der Gedanke sich selber denkend sieht.

//zu Minutentext//T2

 

 

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M2. Tonfolge für Nachtbahnhof und eine Maschine. Auf Bahnhöfen denke ich viel über das, was Menschen alles erfunden haben nach. Ich denke darüber nach, was Menschen alles erfinden, damit sie an einem Ort ankommen können, um ihn dann wieder zu verlassen. Ich denke darüber nach, was Menschen alles transportieren während einer Nacht und einer Minute. Ich komme nie wirklich an, in Bahnhöfen. Bahnhöfe in der Nacht sind wie grosse Aquarien.

 

 

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N1. Nachtmaschine. In den Kapiteln der Nachtmaschine werden kleine cineastische Geschichten erzählt, die sich im Eigentlichen um nichts drehen und in denen das zur Sprache kommt, was nicht in Filmen, aber in einer Minute, vorkommt.

 

 

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T1. Eine Textminute aus dem unendlichen Satz der Zeit. Tempo fugato ist die Überschrift dieser Installationssequenz. Die Zeit ist in ihrem Aufbau nicht nur linear, sie ist wie in Träumen aus tausenden von einzelnen Wahrnehmungsmomenten zusammengefügt, zu einer einzigen grossen Fuge, die wir Welt nennen und Raum und Zeit. In den Minutentexten zu einzelnen kleinen Bildteilchen, notiere ich Ausschnitte aus diesem Gebilde. Die Texte die in Genua und am Hallwylersee entstanden sind oder noch entstehen werden, führen das sprachliche Element als einen zweiten roten Faden durch die Installation. Sie werden über einen Beamer als Schrifttafeln in die Wandkomposition eingefügt.

Wenn in Nachtzeiten die Tage sich ausdehnen und der Sommer den Winter nicht mehr einholen kann, dann sind die Frühlingstage ein einziger Duft aus Blumen und Blüten und Bäumen. Die Flieder gaukeln im Wind, die Möwen landen auf Kronen, die sie ein Stück weit von der Küste wegtreiben, die Linien zerflechten im Wind, das Konzert mit den Grillen über uns auf Pinienbäumen, dort beginnt die Dämmerung und das Blau ist über all, ob oben und unten und innen drin, in diesen Räumen, die unsichtbar die Stunden in ihren Bahnen halten, als wären sie Planeten am Firmament im Kopf des Menschen, der einen andern umarmt und sich an Nächte und Tage erinnert, in denen Zeit kein Mass mehr war, diese Dinge zu denken und zu tun, die in ihm träumen und er sich bangt davor, ihnen in die Augen zu sehen und den Bleistift zu nehmen, um sie zu konturieren, in den Sand am Meer, dort wo die Wellen ufern und sie sich den Körper nehmen, mein Körper und in wegtragen in den ihren und es bedeutet schwimmen, schwimmen und sich treiben lassen in Sprache, um anzukommen, dort, wo ich zu Dir sage, weisst Du?

 

 

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P1. Plan. In diesem Kapitel der Installation sind die Landkarten und Flugpläne, die Reiseübersichten und die Anhaltspunkte der Orte am Meer, in und aus dem Seetal, aufgezeichnet. Ausgelegt ergeben sie, ein, über mehrere Quadratmeter sich ausdehnendes Welt-und Landschaftsbild der Ufer, der Himmel und der jeweiligen Farben mit den Berechnungen von Distanzen und Wortzusammenhängen, Zeiteinheiten und anderen Reiseziele und der Leere in den Dingen.

 

 

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K1. Die Käfer, sie wissen über alle Fragen der Welt Bescheid. Vielleicht weil sie klein, farbig, vielfüssig, beflügelt und mit Fühlern versehen sind und nur einen Bruchteil einer Minute zu sehen sind. Darum widme ich ihnen einen grossen Teil der Installation im Raum. Eine Art Enzyklopädie der kleinen Fauna im Sand und im Schilf. Die kleinen Käfer, wie die Grillen, Singzikaden, Marienkäfer, die Kakerlaken und Meerflöhe, kleinen Skorpione, schlanken Gottesanbeterinnen, die Sandtigerkäfer und natürlich die Leuchtkäfer die an den Ufern rund um den See, am Meer und in den Gassen und Strassen und Feldern und Wiesen wohnen.

 

 

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H1 An manchen Tagen scheint das Leben nur aus einer einzigen Linie zu bestehen, einer Linie auf der die Stunden ankommen und wegfahren und ab und an dahinter verschwinden. Jeden Tag gilt es, die Balance zu halten, die Augenblicke aufzureihen und den Blick freizuhalten, um nach dem Unvorhergesehenen Ausschau zu halten. Die Linie Horizont und was dahinter auftaucht, ist eine kleine Serie Fotografien, die als wichtigen Bestandteil der Installation die Linie auf Augenhöhe durch den Raum zeichnet und die eigentliche Ausgangslage der Arbeit initiiert. Jeder Tag in Genua ist mit einem solchen Foto und einem Text über die Linie dokumentiert. Ebenso die Schiffe die vom Hafen wegfahren und von der Linie zurückkehren.

 

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