

Ich ging vom Wenigen aus und alles, was mir entgegenkam, war das Überraschende.


Ich ging vom Wenigen aus und alles, was mir entgegenkam, war das Überraschende.


Manchmal vergesse ich, welche Geschichten mir jemand aus dem Leben von jemand anderem erzählt. Sie bleiben als eine Sammlung von Bildern in meiner Erinnerung hängen, die ich niemandem zuordnen kann und die wie Vögel über einem Feld kreisen und in der Krone eines Baumes wohnen.


Repetoire. Wer? Ich höre mir zu, ich verwerfe, ich nehme auf, ich drehe mich, ich versachliche das, ich argumentiere darüber, ich lächle nachsichtig, ich erstaune mich, ich finde nicht, ich lese mit, ich mache mir ein Bild.

A3 Vom Geist der vielen, einzelnen und fliegenden Dingen. Die Konzentration auf die Freiheit meiner Bewegung, in der ich einer Linie folge und sie ausführe, scheint zu bestimmen, ob die Linie zu etwas werden soll oder nur eine belanglose Spur einer zufälligen Gedankengeste über das Blatt Papier. Das, was aus der Konzentration auf das Ziel zum Ausdruck kommen sollte, liegt in der Sache selber, im Spiel mit dem, was entsteht; Ich folge dem, was mich bewegt. Doch kann ich nicht sagen, was genau dem Impuls eines Moments von Berührtsein, der zu diesem Erlebnis, der Erfahrung von Sein führt, vorausgeht.


S4 Seeland. Ich messe den Ton einer Minute mit einer Linie, in einem bestimmten Quadrat aus Zeit, das ich mit meinen Augen festlege. Die Ausdehnung, die ich so erhalte, reicht über alles, was ich denken kann hinaus und kreuzt sich irgendwo mit einer anderen Minute, in der vielleicht jemand zur gleichen Zeit an das Wort Wasser denkt. Es entsteht ein Netz aus Wellenlinien, in dem sich Gedanken begegnen, die eine Minute schneller oder langsamer erleben lassen.


N12 Cinématographe. Heute Nacht setzte ich einzelne Bilder zu einem kleinen Film zusammen. Es ist kein wirklicher Film, dachte ich, sondern es sind einzelne Bilder die ineinander übergehen, wie Erinnerungen in Gedanken übergehen und sich mit dem mischen, was gerade jetzt geschieht. Ich fragte mich, was ein Film zum Film macht; viele Bilder und ein Ton in einer gewissen Zeit aufgenommen und in einer bestimmten Zeit wiedergegeben? So einfach! Doch wie ist das, was Film ist, auch wirklich zu sehen, ohne dass ich erklären muss, dass der Film, eigentlich kein Film ist? Der Inhalt, sagte ich mir, also etwas, das in grossen Zeitabschnitten, in einzelne Bildsequenzen unterteilt aufgenommen und zusammengesetzt, Bilder aufeinander folgen lässt, die eine Geschichte, die in Wirklichkeit stunden, -tage, -jahrelang dauern würde, in Zeitsprüngen zeigt und sie neu erzählt, wiedergibt. Wie könnte ich sonst ein riesiges Schiff in einem Film, der nur eine Minute lang dauert zeigen, wie es am Horizont verschwindet? Es ist eine Sicht auf die Wirklichkeit von Zeit.


H3 Unterton. Auf dieser Seite der Welt, also vor dem Horizont, erscheint das Dahinter als eine unendliche Weite und, so stelle ich mir vor, führt der Weg dorthin, wo ich die Freiheit vermute. Vergesse ich nicht allzu oft, dass genau dort dieselbe Welt, mit denselben Gedanken mich erwarten würde, wäre ich nicht hier, sondern dort und würde zum Horizont blickend über die Dinge nachdenken, die ich hier nicht als Zeit erfüllte? Vielleicht wäre es hier wie dort so, dass sich mir die Aufgabe stellt, diesen Sinn zu finden, der das erkennt, was es zu befreien gilt, damit ich von jenem zu diesem Ufer eine klare Sicht erhalte.


Ein Bild ist eine Blume und ich versuchte mir die Welt zu erklären, wie sie entsteht und entsteht mit ihren Bildern und ich in ihr und in ihnen und sie und sie aus mir. Ich fing mit dem einen Punkt unter tausend anderen Punkten an mit dem Ziehen einer Linie, die auch Weg ist und Gasse und Horizont. Immer wieder sind es Punkte, die sich bewegen, aus denen Linien als Bilder entstehen, die ein Netz mit Kreuzpunkten bilden, bis ich ein Wort dafür habe und ein Bild das so wächst, wie eine Blume, die Bild ist.


T10 Tiden. Der Raum, der durch einen erklingenden Ton entsteht, beinhaltet diese Dinge, die wir mit dem Ohr entschlüsseln, als Farbe, als Zeichen und Form. Das Lesen von Tönen ist das Lesen der Natur, überlege ich und ich lese die Worte, Morgen, Regen, Wasser, Amsel, Bewegung und Baum, ohne Augen, aber mit der Zeit, in der die Geräusche vergehen oder im Lärm einer Maschine und durch die Gedanken über ihn, verebben.


Ich denke oft darüber nach, was sich Gedanken über andere Gedanken ausdenken.