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L2 Die Unterteilung der Welt in Felder bewirkt, dass der Blick zum Horizont, oft vor den Füssen liegt. Ich notierte diese Zeile, während ich auf einem grossen, vor dem Meer liegenden Parkplatz versuchte, jeder gezogenen Linie zu folgen und diese Punkte zu zählen, an denen ich vergessen hatte, dass ich eine Linie mit einer anderen Linie, die doch wiederum dieselbe Linie ist, auf der ich gehe, weil sie miteinander verbunden sind, kreuzte.

 

 

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K4 Nachtflügler.. Manche Worte gibt es nicht, sagte jemand zu mir. Ich musste sehr viel darüber nachdenken und staunen, weil das Wort, das es nicht gibt, in meinem Heft steht und in meinem Kopf Bilder erzeugt, die ich nicht mehr wegstreichen kann. Während ich über das Wort Nachtflügler nachdenke, bewegt sich dieses Tier vor meinen Augen über den Bildschirm und ich verschiebe eine Erklärung über den Sachverhalt seiner Existenz in die nächste Minute. Warum sollte es Dinge nicht geben, die es nicht gibt?

 

 

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F7 Inventar. einer Minute; ein Lichtstreifen, vier Enten, eine Libelle, Schritte – unzählige, das Knarren der Türschwelle, eine zweite Libelle, Wind in den Bäumen, ein Lichtfunke auf dem Wasser, eilende Schritte- näherkommend, Gesprächsfetzen, ein lesender Mensch, ein leerer Raum, wieder ein Lichtstreifen- wandernd vom Fussboden über die rechte Wand zur Türe, ein Blick zur Decke, ein Flugzeug, eine fremde Stimme, eilende Schritte- sich entfernend, ein sms- ungelesen, eine weitere, zitternde Lichtspiegelung neben dem Fenster, ein flüchtiger Blick, ein Besucher, ein Fisch, ich, wieder ein leerer Raum, meine Schritte- den Raum verlassend, eine Erinnerung, Wind in den Bäumen, eine Frage, ein Fenster.

 

 

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N8 Nehme ich alle Wörter der ganzen Welt, die in diesem Moment ausgesprochen werden, zusammen, so erhalte ich einen Ton. Was mit den Wörtern geschieht, die in einem Augenblick nur gedacht werden, kann ich mir nicht mehr vorstellen.

 

 

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Heute Morgen habe ich einen kleinen Text in einer, mir sehr fremden Sprache, gelesen. Während ich den Wörtern folgte, bemerkte ich, dass ich in mir keine Melodie hörte, die mir ein Bild für jedes Wort hätte geben können, also habe ich auch nicht verstanden, was der Text beschreibt. Ich versuchte in mir eine Art Musik vorzustellen, um vielleicht eine Ahnung von einer Geschichte darin zu erkennen und las mir Wort für Wort leise vor. Obwohl ich wusste, dass es sich um eine Vorstellung handelte, die nicht im geringsten mit dem Inhalt des Textes zu tun haben würde, konnte ich mich daran erinnern, dass ich jeden Morgen, während ich aufwachte, den Tauben über den Dächern zuhörte und mir überlegte, warum diese Laute in mir ein Gefühl von Heimat gaben.

 

 

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Die Linie Horizont; Dass diese Linie eine leichte Neigung hatte, wusstest Du nicht. Erst während ich Dir ein Bild zeigte, fingst Du über etwas zu staunen an, was es nicht gibt.

 

 

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T7 Informel; Eine Farbe zu malen, ist wie das Schreiben eines Wortes, das sich in diesem Augenblick in mir formuliert.

 

 

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F7 Die Lesbarkeit eines Farbfeldes oder einer Linie beschäftigt mich seit Jahren. Was macht eine Linie zur Linie und eine Farbe zu einem Ton, die in mir das berühren, was Sprache und Bild wird?

 

 

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N10 Die Arbeite an der Stille ist die eigentliche Arbeit,; die Voraussetzung zu schaffen, eine Linie dort anzusetzen, wo die Gedanken noch nicht in den Bereich des Denkens hinübergegangen sind. Diese Bewegung nachzuvollziehen, ist die Konzentration, sich ohne Vorstellung durch einen unbekannten Raum zu bewegen.

 

 

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H11 In der Absichtslosigkeit das Ziel zu ereichen, ist der wichtigste Teil der Arbeit.

 

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