

Wolken berühren nie den See.


Wolken berühren nie den See.


T11 Ich versuchte eine Minute lang an eine Minute zu denken. Sie kam mir als eine ewigdauernde Minute vor, eine nie zu Ende gehende, gleichzeitig heimlich vorüberschleichend und über mir zusammenschlagend. Sie durchdrang, leerte und füllte mich mit Teilminuten, diese wiederum wuchsen zu unendlich langen Zeiteinheiten, zu Bildern, die vor meinen Augen flimmerten. Ich wollte die Augen schliessen, sie geschlossen halten, doch verblichen sie nicht, sie intensivierten sich in der Dunkelheit. Die Geräusche drangen in mein Gehör, ein fugenartiges Gebilde aus einzelnen Tönen. Töne dauern, wenn ich nicht an Minuten denke. Schnell öffnete ich die Augen. Was sind sie?

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L2 Horizont. Ich bewege mich zwischen zwei Worten: Oben und Unten.

F11 Ich schrieb auf ein Blatt Papier das Wort Welt. Ich schrieb es sehr klein, damit sie genug Platz hatte.


Hier. Vielleicht versuche ich, bevor ich das Zimmer verlasse und kurz einen Blick zurückwerfe, etwas mitzunehmen, was mich an ein Hier erinnert, wenn ich nicht da bin. Das Seltsame natürlich ist, dass dieser Augenblick anders in Erinnerung bleibt, wie die Wirklichkeit, die ich zurücklasse, die ohne mich nicht so ist, wie wenn ich in ihr bin.


Finsternis. Die Nacht hatte sich in eine andere Nacht verschoben und der Morgen war nicht dieser Morgen, in dem ich heute aufwachte. Es blieben andere, fremde Gedanken in mir hängen, nicht diese, die ich mir gewohnt war. Auch die Briefe, die ich gestern las, sind heute nicht an mich andressiert und die Vögel singen in einem anderen Garten. Was geschieht in Nächten, in denen der Schlaf mich nicht findet und die Grillen ihr Lied der Amsel übergeben? Die Stille eines Tages bringt die Nacht zum Klingen. denke ich während ich in der Zeitung lese, dass es ab und an geschieht, dass von der Erde aus der Mond vor der Sonne, als dunkle Scheibe, zu sehen ist.

F10 Die Auseinandersetzung mit der Farbe ist immer ein Versuch, dem Geheimnis der Schöpfung nahe zu kommen und einen Bruchteil dessen zu erfassen, was Leben bewirkt.


S5 Gestern Abend wusste ich nicht mehr, in welcher Minute ich das Ziel erreichen könnte, in nur einem Augenblick eine Summe zu errechnen, die das Wiegen des Schilfes im Wind erfassen sollte.


F9 Wenn ich eine Farbe auf einen Grund male und sie als Farbe definiere, habe ich sie schon verloren und weiss nicht, in welche Form ich sie zu führen habe. Solange ich aber dem Klang der Farbe folge, kann ich sie immer neu finden.


F8 Sich ein Bild zu machen von etwas, von dem noch kein Bild existiert, ist der Versuch das zu verstehen, was ausserhalb von Zeit und Raum, die Dinge entstehen lässt.