
Ich warte. Nicht auf etwas. Ich warte auf eine Bewegung. Auf die Bewegung des Raumes, in dem ich stehe. Ich bewege mich nicht. Das Licht bewegt sich. Der Schatten, den das Licht über den Boden wirft, ihn sanft über die Lehne des Stuhls drapiert, berührt die Stelle, an der er den Raum durch das Fenster verlässt. Im Licht ist der Schatten des Raumes im Raum unsichtbar. Er bewegt sich. Zeit bewegt sich nicht. Ich warte auf sie. Sie wird nicht kommen. Sie ist immer da. Zeitlos und zeitlich im Raum.
R3 Fuge1. Die erste Fuge des Installationszyklus t e m p o . f u g a t o ist mit der Ausstellung im Kunstraum Aarau während des Oneminute Film und Video Festivals abgeschlossen. Fuge1 umfasst 181 Teilchen, 36 Texte, und 2 Kurzfilme, die dem Archiv transito genova-aarau, einer Sammlung aus 480 Farb- und Zeichenteilchen und 12 Kurzfilmen a 60 Sekunden entnommen sind.
Fuge1 ist Andreas Louis Seyerlein gewidmet.
Ich danke Andreas Louis Seyerlein, Kurt Dettling und Silvio Alberti vom Oneminute Festival, dem Kunstraum Aarau und Franciose Rickenbacher ganz herzlich für ihre Zeit und ihre Unterstützung, die diese Installation möglich machte.


Eine Fläche die See heisst, die Ufer spiegelt und Möwen, die auf kleinen, aus dem Wasser ragenden Stäben sitzen, auffliegen und landen, ist eine kleine Ansammlung von Wassertropfen. Das Wort Meer ist grösser. Ozean, so überlege ich mir, während ich am Ufer sitze, kommt mir schwerer vor, wegen des Salzgehaltes. Das Wort Welle, ist für sich gedacht, nicht besonders gross oder klein, es ist einfach einwenig blaue Farbe.


Die Spuren, die der Tag hinterlassen hatte, als ein feines Getrippel durch ein Buch mit leeren Seiten, die ich beschrieb ohne ein Wort zu notieren, weil ein kleiner Käfer die Punkte entführte, nach denen ich mich ausrichtete und einfach davon flog und sie mitnahm, erst dann sah ich, dass der Abend und die Seite voll waren mit Geräuschen, denen ich nun folge.


R2 Fuge1. Öffne ich eine Linie, entsteht dieser Raum, den ich höre als einen Raum in dem die Linie entsteht, die einen Raum beschreibt. Höre ich weiter, über diesen Raum zwischen den Räumen Oben und Unten hinaus, stehe ich dort, wo der Zwischenraum die Farben und Formen und Bilder trägt. Betrachte ich die Geschichte der Bilder, sehe ich die Geschichte dieser Zeit, in der ich sie betrachte und erzähle mir in Worten, was ich sehe, was in der Zwischenzeit, seit ich hier stehe, entstanden ist und was sich dauernd verändert, wenn ich anfange, mich im Raum zu bewegen.

R1 Leer. Aus welcher Sammlung von Entscheidungen, entscheide ich die Dinge in eine Ordnung und in welcher Folge erzähle ich den Inhalt einer Geschichte, die ich noch nicht kenne?


P12 Wo. Wo finde ich den Anfang und wo die Zeit, durch einen Raum zu gehen, in dem nichts ist, was ich erkennen kann, nur die Worte einer Sprache, die aus Bildern einen Satz an der Wand beschreiben, in dem steht, das Zeit endlich und unendlich ist?


P12 Zeitraum. Das Lineare einer Linie, die sich vor meinen Augen fortsetzt und einen Augenblick lang den Blick auf etwas fallen lässt, das keine Richtung kennt und trotzdem eine Folge von Wörtern entstehen lässt, die in einem endlosen Satz das Bild des Horizontes beschreiben, als einen Kreis, der die Erde in ihrer Rundung konturiert, ist die Zeit.


P11 Wie viele Augenpaare sehen die Welt aus wie vielen Teilchen sie besteht?



