H19

 


Das Lose. Luftspiegelung, sagte die Dame mit Hut. Und ich dachte an eine blühende Wolke. Der See war hell, das Mondlicht in ihm und der Wind in den Gräsern und dem Gewächs; ein Kardamon, ein Jasmin, umwölkt von seinem Duft, ein sperriges Kakteengewächs, die Königin der Nacht mit ihrem Gefolge. Und alles schwieg, als würde es in der Stille Andacht halten. Nachtschwarz der Himmel in ihr.

 

H18/Eine Arche für Japan

 

Eine Arche für Japan.
Für die Insel, die Menschen, die Tiere und Pflanzen.
Auch das, was ich nicht begreifen kann, existiert.
Der Tag schien in sich gekehrt.

 

H17

 

Zebrablüte. Das zaghaft alphabetisch Ungeordnete. Eine Fülle. Regen in den Augen. Das bildlose Buchstabieren. Die Aufhebung des Folgelosen. Tatsächlich liesse es sich vom Gedachten unterscheiden, dieses, im Leerschlag der Gedanken sich aufflügelnde, prismatisch Aufgefächerte einer farblichen Kontinuität.

 

W3/H16

 

Gedankenpartikel Dämmerung. Das blau Belichtete zwischen den Pforten des Tages. Das Gestillte der Nacht spiegelt den Traum. Irrlichternd im Tau noch der Morgen, dort, wo er unberührt von Gedanken, dahinschleiert und die Sinne betört. Unter einem Kandelaber schwingend sein Ton. Perpetuum mobile. Auffangend. Ein Sausen in den Ohren. Fragmentarisch die Welt. In ihrer Zerlegtheit, ist sie lineare Wirklichkeit. Was das Auge sieht, was der Geist zum Satz registriert, ihn nachformt, nachzeichnet, scheint über den Dingen zu schweben; Ein Wind, der durch die Palmen streicht, sie bewegt, das Licht filtert, es vibrieren lässt, ausschwingt und zum Bild ohne Betrachter anklingt.

 

W2/H15

 

Herzland -Ermahnung- Zeitgebens blieb er in der Zeit, der Gedanke, blieb in seinem Gleiten hängen. Dort, wo er sich nicht hinwagte, war es nie einfach gewesen zu landen.

 

W1/H14

 

Jahreswende. επίλογος epílogos. Es war im Einen diese Leere, die mich umfing, als ich den Hof betrat, im Andern das Wissen, dass ich ihn ein letztes Mal durchquerte, mich auf die Treppe setzte und wartete, bis der letzte Sonnenstrahl die hinterste Ecke des Hofes erreichte, um dann, wie durch das Heben eines Zauberstabes, zwischen den engstehenden Häuser zu verschwinden.

 

G3/H13/E32

 

Enzyklopädie der kleinen Dinge. -Einen Garten anlegen-, Chromatisch, “χρώμα”. Dieses unberührte Unendliche. In seiner Folge ist Zeit Zeit. Eine Ordnungsbezeichnung für das, was geschieht, wenn Klang die Latenz verlässt und die Dinge zu Dingen werden. Die Einmaligkeit jedes kleinsten Partikels zu begreifen, sagte die Dame mit Hut, ist die Begabung als Mensch, das Denken und seine Struktur zu verlassen. Wir waren lange an diesem Wasser gesessen, ohne dass sich eine Wiederholung im Spiegelbild ergab. Die Reflektion war Kontinuum an sich und die Erscheinung der Dinge ein Spiel der Farben: Formlos im Grund und unendlich in seiner Zahl.

 

G2/H12/E31

 

Enzyklopädie der kleinen Dinge Textzeilen und Klagelied. -Einen Garten anlegen,- an dem die Schiffe landen, eine Parkanlage für unbenannte, unbestimmte Pflanzen. Was würde geschehen, wenn ich dir mein Staunen schenken würde, das Staunen über die Dinge der Welt, über alles, was wächst, über alles, was man findet; Käfer, Gräser, Wolken, Bäume und Ozeane, die Luft und ihre Vögel, das Wasser und seine Spiegelung, die Zeit und ihre Gegenwart, das Hören im Sehen und die Schritte die man geht? Wir würden schweigen und einen Berg hinaufsteigen, auf seinem Rücken dem Himmel entgegenbalancieren und denken, der Berg sei ein Wal und die Vögel Fische und der Regen ein Gesang.

 

G1/H11/E30

 

Enzyklopädie der kleinen Dinge Textzeilen und Klagelied. -Einen Garten anlegen- Mit eigenen Augen gesehen. Die Fortsetzung geschah. Und über diesen Abgründen balancierend das Gesuch zur Landung aus der Nacht in den Tag, eine sprachliche Gegenwart anzunehmen. Verknüpft und gleichermaßen lose gleitend im Übergang. Dämmernd die Farbe über der Landschaft. Nebel tauchten hinab, überzogen das Gras. Wie erfüllt waren diese Stunden, in denen ich leer von Träumen erwachte und Ausschau hielt. Und du, gestaltlos und doch zugegen. Mit anderen Augen gesehen, sähe ich dich nie und Nebel bleiben Nebel und der Ginster Finsternis. Ein Kleinod, dieses Wort. Ein Faun, ein Phönix, auf dem Gartentor sitzend, führten Monologe über Zeit und Endlichkeit. Und blühend die Fliederalleen, wollte ich dir sagen, bevor das Geheimnis zwischen den Lippen verebbt und das Bild entschwindet.

 

B3/H10

 

Herbstblätter3 -Textzeilen und Klagelied- Das Bild im Wort. Und die Amsel im Ohr. Nur in wenige Worten zusammengezählt, die Geschichte: Alleen in dieser Zeit. Dachte ich, dir in dieser Landschaft zu begegnen, es wäre Sommer und der Lavendel in seinem wogenden Duft. Über dem Hügel der See. Dem Himmel zugelaufene Vögel. Mit der Zeit verliefen sich die Gedanken und über Grashalme gebeugt, der Wind. Zikaden schweigen hier nie. Mondstille, als läge Schnee auf dem Weg. Und wir, ohne Namen im Bild. Niemand. Und doch zugegen das Wort, das wir hörten, als berge das Ohr eine Stimme.

 

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